Ausgabe 2013/08: Deutscher Personalräte-Preis 2013


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Deutscher Personalräte-Preis 2013

And the nominees are …

Die Nominierten für den „Deutschen Personalräte-Preis 2013“ sind gesetzt. Bereits zum dritten Mal wird diese Auszeichnung, eine Initiative der Fachzeitschrift „Der Personalrat“, vom Bund-Verlag, Frankfurt, gemeinsam mit der HUK-COBURG verliehen. Beworben hatten sich bundesweit 53 Gremien. Die Auszeichnung will die Arbeit von Personalräten öffentlich machen, ihre Arbeit wertschätzen und die Interessenvertreter motivieren, die Initiative zu ergreifen und sich kreativ und gestaltend für die Belange der Beschäftigten einzusetzen.

Neben einer Vielzahl von Bewerbungen, die sich mit dem „Tagesgeschäft“ der Interessenvertretungen beschäftigten, waren erneut „wichtige Leuchtturm-Projekte vertreten“, so Michael Kröll, Jury-Mitglied und verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift `Der Personalrat´, „die überzeugend belegen, was engagierte PR-Arbeit bewirken kann.“

Eine hochkarätig besetzte Jury mit Vertretern aus Gewerkschaften, Wissenschaft und Personalratspraxis nominierte insgesamt zehn Projekte. Vergeben wird jeweils eine Auszeichnung in den Hauptkategorien Gold, Silber und Bronze sowie für die zwei Sonderpreise der HUK-COBURG und der DGB-Jugend.

Der „Deutsche Personalräte-Preis“ ist als hochrangige Auszeichnung bewusst nicht mit einem Geldbetrag dotiert. Im Vordergrund stehen die offizielle Ehrung der Preisträger und Teilnehmer und die Publikation der prämierten Projekte. Die feierliche Preisverleihung und Bekanntgabe der Gewinner erfolgt im Rahmen des Schöneberger Forums von DGB und Hans-Böckler-Stiftung am 27. November 2013 in Berlin.

Die Nominierten für den „Deutschen Personalräte-Preis 2013“ in alphabetischer Reihenfolge:

Gesamtpersonalrat Landkreis Diepholz

Unter dem Motto „Gute Arbeit – Gegen prekäre Beschäftigung“ setzte sich der Gesamtpersonalrat des Landkreises Diepholz erfolgreich für die Überleitung von Leiharbeitnehmern, sachgrundlos befristet Beschäftigten und Honorarkräften in feste Beschäftigungsverhältnisse ein. Im Rahmen der Finanzkrise hatte der Kreistag Diepholz bereits im Jahr

DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller (zweiter von rechts) überreicht der Gesamt-JAV der Stadt Nürnberg den Sonderpreis der DGB-Jugend 2012 für ihr Projekt „Papa ist geizig“. Foto: Simone M. Neumann

2002 einschneidende Personalbewirtschaftungsbeschlüsse zur Haushaltskonsolidierung gefasst. Die Folge waren prekäre Beschäftigungen. Seit dem Jahr 2009 ist der Haushalt konsolidiert. An den prekären Arbeitsverhältnissen wurde seitens der Dienststelle nichts geändert. Neben den formalen Möglichkeiten im Rahmen der personalvertretungsrechtlichen Beteiligung zu den Stellenplänen, hat der Personalrat insbesondere Personalversammlungen genutzt, um auf die Problematik der prekären Beschäftigung hinzuweisen. Nachdem der jetzige Landrat die Geltung von Tarifverträgen für die Beschäftigung beim Landkreis Diepholz zur Grundlage erhoben hat, forderte der Gesamtpersonalrat die Umsetzung dieser Aussage ein. So konnten über 30 Beschäftigte – davon viele in Teilzeit – die sachgrundlos befristet beschäftigt waren, unbefristet übernommen werden, weil zusätzliche Stellen geschaffen wurden.

Gesamtpersonalrat Stadt Karlsruhe

Der sinnvolle Einsatz von gesundheitlich eingeschränkten Mitarbeitern in einem internen Scan-Zentrum stand im Mittelpunkt eines Projektes des Gesamtpersonalrates der Stadt Karlsruhe.

Im Rahmen des BEM mussten Einsatzmöglichkeiten für Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen gefunden werden. Dabei sollten einerseits sinnvolle Tätigkeiten geschaffen werden, die andererseits der Dienststelle einen Nutzen bringen. Die Dienststelle hatte begonnen, Unterlagen von externen Dienstleistern einscannen zu lassen. Es wurde die Idee entwickelt, das Einscannen von Beschäftigten mit gesundheitlichen Einschränkungen durchführen zu lassen. Nach der Ausarbeitung der Idee und Klärung der Rahmenbedingungen wurde die Einrichtung eines internen Scan-Zentrums beim Oberbürgermeister angeregt. Dieser stimmte dem zu. In enger Zusammenarbeit mit der Dienststelle wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Auch die betroffenen Beschäftigten wurden in die Planungen einbezogen. Innerhalb eines Jahres wurde mit dem Scan-Zentrum eine Einrichtung geschaffen, die sowohl der Dienststelle als auch den betroffenen Beschäftigten dient. Insbesondere die bis zu 15 dort eingesetzten Beschäftigten
haben wieder eine sinnvolle und wertgeschätzte Tätigkeit.

Gesamtpersonalrat bei der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin

Ein wesentlicher Faktor für Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist der wohnortnahe Einsatzort, um unnötige Pendlerzeiten und lange Anfahrtswege zu vermeiden. Der Gesamtpersonalrat bei der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin entwickelte dazu eine Dienstvereinbarung, die solche sozialen Aspekte berücksichtigt.

Zunächst wurde das Anliegen mit der Behördenleitung erörtert. Anschließend wurden unter allen Beschäftigten die gewünschten Veränderungsbedarfe abgefragt. Die Verhandlungen mit der Behördenleitung endeten am 8.1.2013 mit der Unterzeichnung der Dienstvereinbarung. Mit dieser wurde nun ein Verfahren festgelegt, um die Ortsveränderungswünsche der Beamtinnen und Beamten zu erfassen und dabei deren sozialen Aspekte und die bisherigen Standzeiten zu berücksichtigen. Mittels eines standardisierten Vordrucks werden die Wünsche auf Ortsveränderung mitgeteilt, u.a. die jeweiligen sozialen Aspekte. Die Sozialpunkte und die Punkte für die Standzeiten werden addiert und ergeben eine Rangfolge für die Berücksichtigung bei der Besetzung freier Stellen.

Personalrat actimonda Krankenkasse Aachen

Überlastungsmeldungen haben in der Regel einen negativen Beigeschmack. Wie Beschäftigte durch ein systematisches Verfahren vor dauerhaften Überlastungen geschützt werden und wie diese Meldung als „normales“, legitimes Mittel eingesetzt werden kann, dafür lieferte der Personalrat der actimonda Krankenkasse Aachen ein beeindruckendes Beispiel. Der Personalrat hat bei den Beschäftigten eine Arbeitsverdichtung, bedingt durch häufige Personalausfälle, festgestellt. Der Gefahr, dass Beschäftigte nicht mehr in der Lage sind, ihr Arbeitsaufkommen zu bewältigen, sollte vorgebeugt werden. Es wurde der Abschluss einer Dienstvereinbarung zum Umgang mit Überlastungsmeldungen erzielt. Neben der Form und dem Inhalt der Überlastungsanzeige wird darin das Verfahren zu deren Bearbeitung geregelt. So ist vorgesehen, in einem Gespräch, u. a. unter Einbeziehung des Personalrats, die Überlastungssituation zu erfassen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Meldung von Überlastungssituationen darf für die meldenden Beschäftigten keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen haben.

Personalrat Klinikum Aschaffenburg

Ein strukturierter Wissenstransfer gewinnt angesichts des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung. Der Personalrat des Klinikums Aschaffenburg entwickelte einen innovativen Ansatz, um die Weitergabe von Wissen professionell zu begleiten.

Im Rahmen eines ESF-Projekts wurde in der Dienststelle eine Altersstrukturanalyse durchgeführt und anschließend aufgezeigt, welche betrieblichen und betriebswirtschaftlichen Auswirkungen es in Bereichen mit hohem Risiko gibt. Als Bereich mit besonders hohem Risiko wurde die Zentralsterilisation identifiziert (kein Ausbildungsberuf, keine Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, hohes Erfahrungswissen/implizites Wissen notwendig). Für den so identifizierten Pilotbereich wurde ein strukturierter Wissenstransfer von explizitem und implizitem Wissen im Einarbeitungskonzept vorgesehen und die dazu notwendige, frühzeitige Nachfolgeregelung wurde in die Wege geleitet. Für die Einarbeitung sind 16 Monate vorgesehen und die Stelle wurde zusätzlich „on top“ geschaffen. Nach Evaluation des gesamten Projektes soll das Vorgehen in eine Vereinbarung zum demographischen Wandel – Arbeit im Wandel (AiW) – einfließen und so die Altersstrukturanalyse verstetigt werden.

Personalrat Kindergärten NordOst, Eigenbetrieb von Berlin

Mit dem Abschluss einer Dienstvereinbarung zur Umsetzung der mittelbaren pädagogischen Arbeit (mpA) erzielte der Personalrat der Kindergärten NordOst, einem Eigenbetrieb von Berlin, die Nominierung für den „Deutschen Personalräte-Preis 2013“.

Der Personalschlüssel in den Berliner Kitas sollte so angepasst werden, dass für die mittelbaren pädagogischen Arbeiten – gemeint sind Zeiten, in denen nicht unmittelbar mit den Kindern gearbeitet wird – vier Wochenstunden zur Verfügung stehen. In den Einrichtungen der Kindergärten NordOst wurde diese Festlegung unter Berufung auf den generellen Personalmangel nicht bzw. nur teilweise umgesetzt. Eine Vielzahl der Beschäftigten erledigten die Aufgaben der mittelbaren pädagogischen Arbeit (mpA) in ihrer Freizeit. Die Geschäftsleitung wurde regelmäßig aufgefordert, nicht besetzte Stellen im Bereich des pädagogischen Personals gemäß KitaFöG unverzüglich zu besetzen und eine zukunftsorientierte Personalplanung zu betreiben. Alle Betroffenen konnten vom Personalrat davon überzeugt werden, dass die Zurverfügungstellung der erforderlichen Zeiten für die Durchführung der mpA innerhalb der Arbeitszeit wesentliche Voraussetzung zur Umsetzung des Berliner Bildungsprogrammes und einer qualitativ hochwertigen Arbeit in den Einrichtungen der Kindergärten NordOst ist. Die Dienstvereinbarung zur Umsetzung der mittelbaren pädagogischen Arbeit legt die mpA mit 4 Stunden wöchentlich (Vollzeitkraft) fest.

Personalrat Stadtverwaltung Köthen

Ein Auslandspraktikum für Auszubildende im Rahmen einer bezahlten Freistellung durch den Arbeitgeber stand im Mittelpunkt eines Projektes mit dem sich der Personalrat der Stadtverwaltung Köthen beworben hat.

Auszubildende wollten über Mobinardo – ein EU-Projekt zur Förderung von Auslandspraktika im europäischen Ausland für Jugendliche in der beruflichen Erstausbildung – an einem vierwöchigen Auslandprojekt teilnehmen. Eine bezahlte Freistellung durch die Dienststelle sollte nicht erfolgen. Die Auszubildenden haben ihren Wunsch über die Jugend- und Auszubildendenvertretung an den Personalrat herangetragen. Der Personalrat hat die Angelegenheit beraten und beschlossen, sich bei der Dienststelle für eine bezahlte Freistellung einzusetzen. Nach Beratung und Erläuterung der Möglichkeiten stimmte die Dienststelle dem Projekt zu. Bedingung war, dass das Praktikum in der Arbeitsphase stattfindet.

Personalrat Kaufmännische Schulen Marburg

Sicherheit und Verlässlichkeit durch klar strukturierte Abläufe. Dies erreichte der Personalrat der Kaufmännischen Schulen Marburg mit einer Dienstvereinbarung zur Aufsichts- und Vertretungsregelung.

Die KSM Marburg ist eine Schule mit Gesundheitszertifikaten in mehreren Bereichen und derzeit in der Vorbereitung zur Gesamtzertifizierung. Trotz dieser Programme führten strukturelle und personelle Veränderungen zu Unklarheiten in zuvor festgelegten Abläufen und zu Unzufriedenheit im Kollegium. Stress verursachte vor allem die mangelnde Abgrenzung von Beruflichem und Privatem, der Krankenstand war vergleichsweise hoch. Im Widerspruch zur gesundheitsfördernden Schule stand dabei die Forderung der Schulleitung an das Kollegium nach ständiger Erreichbarkeit. Zunächst wurden die Bedürfnisse des Kollegiums auf einer Personalversammlung geklärt und formuliert. Im Anschluss erörterte der Personalrat die Wünsche und Erwartungen mit dem Schulleiter. Nach dem Scheitern der ersten Verhandlungsrunde, wurden die Verhandlungen in einer weiteren Personalversammlung wieder aufgenommen. Die Dienstvereinbarung zur Aufsichts- und Vertretungsregelung wurde am 26.2.2013 geschlossen. Die Anzahl der Pausenaufsichten wurde durch Vergrößerung der Aufsichtsbereiche halbiert, so dass den Beschäftigten mehr Zeit für wirkliche Pausen bleibt. Die Beschäftigten sind nicht mehr dazu verpflichtet, sich nach dem Verlassen des Schulgebäudes über private PCs über eventuelle Vertretungen zu informieren. Zudem wurden die Grundsätze für zu leistende Vertretungsstunden festlegt.

Personalrat bei der Zentralen Polizeidirektion Niedersachen (ZPD)

Wie lassen sich vorausplanbar arbeits- und dienstfreie Wochenenden transparent, fortlaufend und belastbar einführen? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich das Gremium bei der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) und schloss dazu Anfang 2013 eine Dienstvereinbarung ab.

Der Einsatz von Polizeikräften bei Großeinsatzlagen, insbesondere an den Wochenenden, hat stetig zugenommen. Die konkrete Dienst- und Arbeitszeitplanung für die Einsatzeinheiten fand und findet erst kurz vor einem Wochenende statt. Ein Erlass aus den 1980er Jahren regelte zwar ein planbares freies Wochenende; dabei wurden allerdings die dienstlichen Belange sehr in den Vordergrund gestellt. Eine verlässliche Planung für die Beschäftigten war so nicht möglich. Jederzeit musste mit der Aufhebung und Nichteinhaltung eines dienst- und arbeitsfreien Wochenendes gerechnet werden. Der Personalrat wollte mit einer Dienstvereinbarung über „Vorausplanbar freie Wochenenden“ mit transparenten und verbindlichen Regelungen die Belastungen reduzieren. Am 29.1.2013 wurden eine Dienstvereinbarung über „vorausplanbar arbeits- und dienstfreie Wochenenden“ und eine Arbeitszeitregelung für die Dienststelle unterzeichnet. Grundsätzlich soll ein arbeits- bzw. dienstfreies Wochenende pro Monat im Voraus planbar festgelegt werden.

Personalrat Jobcenter Kreis Segeberg

Fragen zur Personalentwicklung standen im Mittelpunkt einer Dienstvereinbarung des Personalrats des Jobcenters Kreis Segeberg. Ziel ist es dabei, die qualitative Arbeit der Beschäftigten anzuerkennen und deren Potenzial zu nutzen.

Aufgrund der Rechtslage der gemeinsamen Einrichtungen ist Personal seitens der Bundesagentur für Arbeit wie auch von der Kommune für die Aufgabenerledigung in den Jobcentern tätig. Daraus ergeben sich rechtliche und auch tarifliche Unterschiede zwischen den Beschäftigten trotz gleicher Aufgabenstellung. Mit der Personalentwicklung sollten einheitliche Regelungen für alle Beschäftigten geschaffen werden. Es wurden sämtliche bereits bestehenden Dienstvereinbarungen zu dem Thema gesammelt und kritisch für die eigene Anwendbarkeit überprüft. Im Rahmen eines Workshops gemeinsam mit der Geschäftsführung wurde dann der erste gemeinsame Entwurf für die Dienstvereinbarung Personalentwicklung erarbeitet. Die Dienstvereinbarung Personalentwicklung wurde am 15.11.2011 abgeschlossen. Geregelt werden u.a. Mitarbeitergespräche, ein Leistungs- und Entwicklungsdialog, ein Einarbeitungsplan, ein Patensystem, Coaching, Supervision, Teamentwicklung und ein Führungskräftefeedback. Seit dem zweiten Halbjahr 2012 durchlaufen nun die Teams außerhäusliche Teamentwicklungsstage, um die Kommunikation miteinander und gegenüber ihrer Führungskraft zu verbessern.

Mehr Informationen:
Weitere Informationen zum „Deutschen Personalräte-Preis 2013“ finden sich unter http://www.dprp.de/

Quelle: Beamten-Magazin 07/08.2013

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