Ausgabe 2015/07-08: Beispielhafte Interessenvertretung


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Beispielhafte Interessenvertretung

Deutscher Personalräte-Preis 2015

von Christof Herrmann

Die Nominierten für den Deutschen Personalräte-Preis 2015 sind gesetzt. Die Jury traf in Berlin ihre Entscheidung und wählte aus über 50 Bewerbungen insgesamt zehn Kandidaten für die drei Edelmetall- und zwei Sonderpreise. Der „Deutsche Personalräte-Preis“ ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Der Personalrat“ und wird bereits zum fünften Mal gemeinsam vom Bund-Verlag, Frankfurt, und der HUK-Coburg verliehen. Mit dem Preis sollen die Arbeit von Personalratsgremien in Deutschland grundsätzlich gewürdigt und herausragende Projekte ausgezeichnet werden.

Das Themenspektrum der eingereichten Projekte reicht von innovativen Maßnahmen zum Arbeitsschutz, der Gestaltung von Arbeitsverträgen über Dienstvereinbarungen für leistungsgeminderte Beschäftigte bis hin zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Der Deutsche Personalräte-Preis wird in den Kategorien Gold, Silber und Bronze verliehen. Einen Sonderpreis vergibt außerdem die HUK-Coburg und die DGB-Jugend lobt eine Auszeichnung für beispielhafte JAV-Arbeit und Projekte für jugendliche Beschäftigte und Auszubildende aus.

Die feierliche Preisverleihung und offizielle Bekanntgabe der Gewinner erfolgt auf dem „Schöneberger Forum“ am 25. November 2015 im Kosmos Berlin mit Gästen aus Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft.

Hier die Kurzbeschreibungen der nominierten Projekte für den „Deutschen Personalräte-Preis 2015“ in alphabetischer Reihenfolge:

Einsatz für vier Wände – Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung Stadt Wolfsburg

Es fehlen bezahlbare Wohnungen für Auszubildende in Wolfsburg. Viele überlegen, ihre Ausbildung in einer anderen Stadt zu beenden oder danach umzuziehen. Die Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV) entwickelte mit Unterstützung von ver.di Jugend und Auszubildenden im November 2014 die Kampagne „Einsatz für 4 Wände“. In einem Workshop erarbeiteten sie ein „Grundgerüst“, wie günstiger Wohnraum für Azubis geschaffen werden kann, führten Aktionen durch und machten in Gesprächen mit dem Oberbürgermeister auf die dramatische Situation aufmerksam. Das langfristige Ziel: Den öffentlichen Dienst attraktiver gestalten, um dem demographischen Wandel entgegenzuwirken. Mittlerweile konnte eine Wohngemeinschaft für vier Azubis bereitgestellt werden. Die GJAV strebt an, einen zentral gelegenen Wohnblock mit bezahlbaren Mieten zu schaffen und steht dazu in Verhandlungen mit dem Oberbürgermeister.

Regelungen zur dienstlichen E-Mail-Kommunikation – Gesamtpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer beim Staatlichen Schulamt Main-Kinzig-Kreis, Hanau

Die dienstliche Kommunikation über E-Mails, besonders auch über private E-Mail-Accounts und außerhalb der Dienstzeit, hatte ein solches Ausmaß angenommen, dass sich die Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich erhöhte. Der Gesamtpersonalrat suchte nach Wegen, diese zu reduzieren und sammelte ab September 2013 Regelungen an Schulen und Beschwerden von Lehrerkräften und recherchierte die rechtlichen Grundlagen zum Datenschutz und zur besonderen Situation des Arbeitsplatzes von Lehrkräften. Im Mai 2015 schloss der Personalrat dann eine Dienstvereinbarung, die die Kommunikation über die digitalen Medien regelt. In dieser wird vereinbart, dass eine dienstliche E-Mail-Adresse zur Verfügung gestellt werden muss, auf die über einen dienstlichen Rechner zugegriffen werden muss. Die Nutzung privater Computer etc. kann nicht verlangt werden. Besonders geregelt wurde auch, dass E-Mails zielgerichtet an die einzelnen Personengruppen geschickt werden und nicht über einen globalen Verteiler.

Gegen Gewalt am Arbeitsplatz – Gesamtpersonalrat Stadt Wolfsburg

Der Umgang mit Gewalt ist ein Thema, das viele Beschäftigte betrifft. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jobcenter, im Außendienst oder im Allgemeinen sozialen Dienst sind hier mit Beschimpfungen und Bedrohungen bis hin zu tätlichen Angriffen konfrontiert. Der Gesundheitsausschuss des Gesamtpersonalrats setzte sich intensiv mit diesem Thema auseinander und entwickelte eine Grundsatzerklärung sowie einen Leitfaden gegen Gewalt am Arbeitsplatz. Die im April 2014 unterzeichnete „Grundsatzerklärung gegen Gewalt am Arbeitsplatz“ enthält, dass keine Gewalt gegen Beschäftigte toleriert wird und jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin in Gewaltsituationen umfangreiche Unterstützung erhält. Ausdrücklich wird auch darauf hingewiesen, dass diese Grundsatzerklärung für alle Beteiligten bindend ist. Zudem werden sämtliche Führungskräfte verstärkt für das Thema sensibilisiert.

Wettstreit um Azubis – Jugend- und Auszubildendenvertretung Universitätsklinikum Essen

Die JAV am Uniklinikum Essen suchte nach Wegen, die Stärken der 42 Stationen hervorzuheben und Schwächen in der Ausbildung zu beseitigen. Gleichzeitig sollten die Azubis aktiv in die Verbesserung ihrer Ausbildung eingebunden werden. Zusammen mit der Pflegedirektion führt die JAV 2012 einen Fragebogen ein, in dem die Auszubildenden die peripheren Stationen des Universitätsklinikum anonym bewerten. Die Ergebnisse werden einmal jährlich mit der Pflegedirektion und den Stationsleitungen besprochen und die besten fünf Stationen ausgezeichnet. Mit der Einführung des Fragebogens ist ein interner Wettstreit auf den Stationen entstanden und jede Station bemüht sich deutlich stärker um die Auszubildenden. Nach aktueller Auswertung haben sich einige Stationen deutlich verbessert und Projekte eingeführt, um die Ausbildungsqualität zu optimieren.

Auf dem Laufenden per Telefonkonferenz – Personalrat Bosch BKK, Stuttgart

Der Informationsstand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Elternzeit ist oft unzureichend, obwohl gerade sie bei einer Rückkehr in den Beruf viel Unterstützung benötigen. Der Personalrat suchte nach Möglichkeiten, diesen Personenkreis auch während der Elternzeit zu erreichen und auf dem Laufenden zu halten. Der Personalrat entschied sich für die Durchführung einer Telefonkonferenz. Die Teilnehmenden waren von dem Informationsaustausch begeistert. Besonders wurde geschätzt, mit den Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu sein. Zusätzlich entstand eine Verteilerliste für die Zusendung von Protokollen und internen Stellenausschreibungen. Da die Konferenz so erfolgreich war, plant der Personalrat, nun jährlich diesen Informationsaustausch anzubieten – bei Bedarf auch öfter.

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Personalrat Polizeidirektion Neumünster

Im Laufe der Jahre kam es zu immer größeren Belastungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizeidirektion Neumünster im Wach- und Wechselschichtdienst, unter anderem auf Grund eines überalterten Personalstandes mit eingeschränkter Dienstfähigkeit sowie vermehrter Einsätze in geschlossenen Einheiten. Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf war unter diesen Umständen kaum noch möglich. Personalrat und Dienstherr entwickelten gemeinsam Ideen, wie damit am besten umzugehen ist. Im Dezember 2012 schlossen die Parteien eine Dienstvereinbarung über die Gestaltung der Arbeitszeit. In dieser Vereinbarung werden nun die Schwerpunktdienste und auch die variable Arbeitszeit geregelt. Aufgenommen wurde ebenfalls eine Mindestregenerationszeit von 72 Stunden, die als Block zu gewähren ist und von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besonders geschätzt wird. Entsprechende Regelungen wurden zwischenzeitlich für andere Polizeibehörden in Schleswig-Holstein vereinbart. Für die gesamte Landespolizei Schleswig-Holstein wird eine solche Vereinbarung für 2015 angestrebt.

Einsatzmöglichkeiten langzeiterkrankter Beschäftigter – Personalrat Stadt Bochum

Der Personalrat definierte die Weiterbeschäftigung langzeiterkrankter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als ein wichtiges Zukunftsfeld der Personalentwicklung und erarbeitete dazu ein Konzept. Eine Projektgruppe aus Personalrat, Schwerbehindertenvertretung, Gleichstellungsstelle, Stabsstelle für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und verschiedenen Fachämtern erstellte einen Fragebogen, mit dem der Personalrat in der gesamten Verwaltung die bestehenden Einsatzmöglichkeiten ermittelte. Daraus entstand eine Konzeption „Einsatzmöglichkeiten für leistungsveränderte Beschäftigte“, die den aktuellen Stand darlegte, die Ziele festlegte und Schritte beschrieb, wie diese Ziele umgesetzt werden könnten. Einen besonderen Schwerpunkt legte die Projektgruppe auf die Budgetierung des Personalaufwands, da der Einsatz leistungsveränderter Beschäftigter oft Sparmaßnahmen zum Opfer fällt. Deses Konzept lag zum Zeitpunkt der Bewerbung dem Verwaltungsvorstand der Stadt Bochum zur weiteren Entscheidung vor.

Gemeinsam stark: Die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Personalräte-Preises 2014 freuen sich über ihre Auszeichnungen. Foto: Simone M. Neumann

Vereinbarung gegen Befristungswildwuchs – Personalrat Stiftung Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder

Der Rückgang von unbefristeten Stellen, die immer stärkere Aufsplitterung von Stellen und die Zunahme kurzer Befristungen von zwei oder weniger Jahren hat die Situation für den wissenschaftlichen Mittelbau immer mehr verschärft. Der Personalrat wollte mit einer Dienstvereinbarung ein deutliches Zeichen gegen den „Befristungswildwuchs“ an deutschen Hochschulen setzen. Die getroffene Vereinbarung ist eine der ersten dieser Art bundesweit. Geregelt ist, dass Erstverträge in der Promotionsphase über mindestens drei Jahre geschlossen werden, spätere Verträge über mindestens vier Jahre. In der Promotionsphase selbst dürfen nur noch mindestens halbe Stellen vergeben werden, angestellte Promovierende und Postdoktorandinnen und -doktoranden müssen mindestens 40 Prozent der Arbeitszeit für ihre eigenen Qualifikationsarbeiten zur Verfügung haben. Die familienpolitische Komponente – bei der Betreuung eines oder mehrerer Kinder unter 18 Jahren wird das Beschäftigungsverhältnis um zwei Jahre je Kind über die Höchstbefristungsdauer hinaus verlängert – gilt nun zwingend.

„Gute Arbeit“ an der Uni – Personalrat Technik und Verwaltung Hochschule Bochum

Der Personalrat nahm die Ergebnisse einer DGB-Indexbefragung als Basis, um Ideen zu entwickeln, wie die Arbeitsbedingungen verbessert werden können. In einem ersten Schritt entwickelte er ein Hochschulleitbild, in dem er unter anderem festlegte, dass sehr gute Arbeitsbedingungen mit sicheren Arbeitsverhältnissen ein Ziel der Hochschule ist. In weiteren Punkten legte er das Werteverständnis dar, zu dem auch „Gute Arbeit“ gehört. Hier ist das Ziel, sehr gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Gesundheit der Beschäftigten fördern und sichere Arbeitsverhältnisse ermöglichen. Die Hochschule definiert sich nun als „Gute Arbeitgeberin“. In Gesprächen mit den Fachbereichsleitungen und Interessenvertreterinnen und -vertretern konnte erreicht werden, dass „Gute Arbeit“ ein eigenständiges Thema im Hochschulentwicklungsplan 2016 bis 2021 sein wird. Schließlich konnte auch erreicht werden, dass in das Hochschulgesetz NRW ein „Rahmenkodex für gute Beschäftigungsbedingungen“ aufgenommen wurde. Die Umsetzung steht noch aus.

Lehrergesundheitstag – Personalräte Walther-Lehmkuhl-Schule und Theodor-Litt-Schule, Neumünster

Die Personalräte beider Schulen entwickelten einen „Lehrergesundheitstag“ mit einem großen Angebot an Workshops und Seminaren. Die Personalräte luden Referentinnen und Referenten unter anderem zu den Themen Zeitmanagement, Burnout erkennen und was dagegen getan werden kann und zum Umgang mit Stress ein. Des Weiteren sollten interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Entspannungstechniken lernen können. Der Personalrat wollte mit diesem Gesundheitstag praktische und leicht umsetzbare Tipps geben. Die Resonanz auf die Veranstaltung war äußerst positiv, denn viele Beschäftigte hatten sich schon viel früher entsprechende Tipps und Hilfen gewünscht. Ein weiterer Gesundheitstag ist für das Schuljahr 2015/16 angedacht, für das Schuljahr 2014/15 war zudem ein Schulentwicklungstag in Kooperation mit einer Neumünsteraner Gemeinschaftsschule geplant („Übergang und Kooperation“), ebenfalls vom örtlichen Personalrat begleitet.

Quelle: Beamten-Magazin 07-08/2015

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