Klein-Schneider, Hartmut: Chancen bleiben ungenutzt (aus Beamten-Magazin 02/2009)

Chancen bleiben ungenutzt

Das Durchschnittsalter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst steigt. Der Altersaufbau wird sich bis 2020 noch einmal deutlich verschieben. Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte“ sprach mit Hartmut Klein-Schneider über alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen in der öffentlichen Verwaltung. Hartmut Klein-Schneider leitet das Referat Betriebliches Personal- und Sozialwesen in der Abteilung Mitbestimmungsförderung bei der Hans-Böckler-Stiftung.

Was muss getan werden, um die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst altersgerecht zu gestalten?

Demographischer Wandel in den Unternehmen und Verwaltungen heißt zunächst, dass die Beschäftigten älter werden, dass das Durchschnittsalter der Belegschaften an steigt und dass der Anteil der älteren Beschäftigten zunimmt. Die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsverhältnisse müssen so gestaltet werden, dass die Beschäftigten ihre Arbeit auch in einem höheren Alter noch ausführen können. Das erfordert zwei Dinge: Die Arbeit, und zwar die Arbeit junger Beschäftigter wie die der älteren, darf nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, zu Gesundheitsverschleiß führen. Und die Arbeit der Älteren muss deren möglicherweise veränderten Leistungsmöglichkeiten angepasst werden. Ansatzpunkte sind alle denkbaren Belastungen: körperliche Schwerarbeit, gesundheitsgefährdende Stoffe in der Arbeitsumgebung, Schichtarbeit, übermäßige Leistungsanforderungen, psychische und soziale Belastungen. Mit dem demographischen Wandel ist eine häufig nicht genutzte Chance verbunden. Sie besteht darin, die älteren Menschen entsprechend ihren durch Erfahrung gewachsenen Kompetenzen einzusetzen.

Gibt es Beispiele „guter Praxis“ aus dem öffentlichen Dienst?

Ja, natürlich, Beispiele guter Praxis gibt es auch aus dem öffentlichen Dienst. Polizisten werden im Alter mehr im Innendienst und weniger im Streifendienst eingesetzt. Lehrer werden für Aus- und Fortbildung ihrer jungen Kollegen eingesetzt und vom Unterricht der Kinder entlastet. Im öffentlichen Dienst sind Blockfreizeiten möglich. Betriebliche Gesundheitsförderung wird angeboten. Supervision hilft, psychosoziale Belastungen besser zu bewältigen. Reduzierte Arbeitszeit für Ältere, Einsatz zu weniger belastenden Zeiten. Das ist für die Betroffenen hilfreich und „rechnet“ sich für die Verwaltung. Allerdings scheint es viele gute Einzelfälle zu geben und nur wenige Regelungen, auf die sich alle beziehen können.

In den letzten Jahren ist die Altersteilzeit im öffentlichen Dienst immer weiter eingeschränkt worden. Welche Rolle spielen flexible Arbeitszeitmodelle für die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter/innen?

Wir brauchen weiterhin Regelungen, um Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen ihrer Leistungsfähigkeit sozial abgesichert einen vorzeitigen Ausstieg aus der Erwerbsarbeit zu ermöglichen. Flexible Arbeitszeit, Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten, zeitweise verkürzte Arbeitszeit, Blockfreizeiten können dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten. Sind damit Nachteile wie Überlastung der Jüngeren, zu geringe Rentenanwartschaften, Aushebelung der tariflichen Arbeitszeitverkürzung verbunden, können sie durch Tarifverträge und durch die betriebliche Mitbestimmung vernünftig gestaltet werden.

 Zur Person

  • 1949 geboren
  • Studium der Volkswirtschaft, Soziologie und Sozialpsychologie
  • Leiter des Referates Betriebliches Personal- und Sozialwesen in der Mitbestimmungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung
  • Arbeitsschwerpunkt: Entwicklung und Verbreitung partizipativer Personalkonzepte



Quelle: Beamten-Magazin 02/2009






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