Lühr, Henning: Hohes Maß an Identifikation im öffentlichen Dienst (aus Beamten-Magazin 10/2010)

Hohes Maß an Identifikation im öffentlichen Dienst

Mit einem Arbeitsprogramm für den öffentlichen Dienst bis 2020 reagiert die Freie Hansestadt Bremen auf personalwirtschaftliche Herausforderungen. Der Staatsrat für Finanzen in Bremen Henning Lühr erläutert, welche Anstrengungen die Hansestadt unternehmen will, damit der öffentliche Dienst auch in Zukunft als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird.

Nach über 15 Jahren Personalabbau und Kürzungen im bremischen öffentlichen Dienst sollen auch künftig Personal abgebaut und die Effizienz gesteigert werden. Lassen Sie den öffentlichen Dienst ausbluten?

Ihre Anleihe im Sprachschatz von Dracula („ausbluten") halte ich für nicht zutreffend. Zur Zeit findet in Deutschland eine gesellschaftspolitische und staatstheoretische Auseinandersetzung über Funktion, Aufgaben und Finanzierung des Staates und der Kommunen statt. Politisch ist es für alle Beteiligten (Politik, Verwaltung, Gewerkschaften und Personalräte) notwendig, sich in diese Diskussion einzumischen und den Veränderungsprozess voranzubringen, auch für eine auskömmliche Finanzierung des Sozialstaates. Bremen hat dazu klar Position gezogen: Bundesratsinitiativen zur Steuerpolitik und Finanzverteilung, Rekommunalisierung als Ziel der Organisationspolitik, soziale Kriterien für Beschaffung, Mindestlohn ... . Nur mit einem demokratisch verfassten öffentlichen Dienst mit auskömmlicher Finanzierung können Beschäftigung und Arbeitsbedingungen gesichert werden.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die immer älter werdenden Beschäftigten den wachsenden Anforderungen an ihre Arbeit bei zunehmender Arbeitsverdichtung auch in Zukunft gerecht werden können?

Die Sicherung altersgerechter Beschäftigung erfordert Initiativen in den Handlungsfeldern Fort- und Weiterbildung, Gesundheitsmanagement, Wissensmanagement und in der Förderung von Mobilität und Flexibilität. Die bedarfsorientierte Weiterentwicklung der internen Fort- und Weiterbildung unter der Berücksichtigung des Aspekts „Lebenslanges Lernen" ist genauso wichtig wie ein umfassendes Gesundheitsmanagement, das darauf abzielt, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen, Gesundheitspotenziale zu stärken und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu fördern. Ein weiteres wichtiges Element ist ein funktionierendes Wissensmanagement, das insbesondere auch an dem Erfahrungswissen der älteren Beschäftigten ansetzt.

Wie waren die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen in die Erarbeitung des Arbeitsprogramms eingebunden bzw. wie soll dies bei der Umsetzung geschehen?

Die in dem „Personal 2020" veröffentlichten personalpolitischen Perspektiven und strategischen Zielsetzungen sind das Ergebnis eines ausgiebigen Diskussionsprozesses mit Verantwortlichen und Beschäftigten aus den Ressorts. Die Interessenvertretungen wurden im Entstehungsprozess in Diskussionen über die einzelnen Schwerpunkte beteiligt und haben vor der Veröffentlichung ausführlich zu dem Konzept Stellung genommen. Bei der Umsetzung der Maßnahmen aus dem Arbeitsprogramm werden natürlich sowohl die Beschäftigten als auch die Interessenvertretungen wie gewohnt beteiligt. Zur Zeit verhandeln wir mit dem Gesamtpersonalrat über eine Dienstvereinbarung zur Beschäftigtenbeteiligung.

Was tun Sie, damit der öffentliche Dienst in Bremen für junge, gut ausgebildete Menschen auch in Zukunft attraktiv bleibt?

Das Bekenntnis von „althergebrachten" Beamten „Ich bin beim Staat!" drückt auch eine Attraktivität des öffentlichen Arbeitgebers aus. Die Erfüllung von Sicherheitsbedürfnissen, Status, Macht usw. ist nicht die Attraktivität, die wir meinen!

Unsere Ansatzpunkte: Der öffentliche Dienst als Arbeitgeber bietet mit seiner Gemeinwohlorientierung für seine Beschäftigten ein hohes Maß an persönlicher, demokratischer und sozialer Identifikation. Wir können inhaltlich sehr unterschiedliche Arbeitsplätze mit einer großen Bandbreite an interessanten Aufgabenfeldern zu angemessener Bezahlung bieten. Darüber hinaus werden wir die Bedingungen für eine ausgewogene Work-Life-Balance ausbauen, die Arbeitszeitsouveränität erhöhen sowie die Selbstverantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter stärken.

 Zur Person

  • 1950 in Winsen/Luhe geboren
  • seit 2003 Staatsrat beim Senator für Finanzen in Bremen
  • Mitglied der Gewerkschaft ver.di

Quelle: Beamten-Magazin 10/2010

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