Pröhl Prof. Dr., Marga: Erfolgreich agieren auf europäischem Parkett (aus Beamten-Magazin 01/2008)

Prof. Dr. Marga Pröhl, Fachfrau für Verwaltungsreformen: Erfolgreich agieren auf europäischem Parkett

Das Europäische Institut für öffentliche Verwaltung (EIPA) in Maastricht gilt als führendes europäisches Aus- und Weiterbildungszentrum für den öffentlichen Dienst. Generaldirektorin ist dort seit dem 1. November 2007 Professor Dr. Marga Pröhl. Marga Pröhl ist ausgewiesene Fachfrau für Verwaltungsreformen und hat umfassende Erfahrungen in Verwaltungsmodernisierung, EU-Partnerschaftsprojekten, strategischem Management und Entbürokratisierung.

Welche Schwerpunkte werden Sie in den kommenden Jahren in den Bereichen Weiterbildung und Forschung setzen?

Themenschwerpunkte der kommenden Jahre werden sein: Implementierung des Reformvertrages der EU, Klima und Umweltpolitik, Bürokratieabbau, Effizienzsteigerung, z. B. durch Shared Services, demografischer Wandel sowie Personalmanagement im öffentlichen Sektor. Als deutsche Generaldirektorin möchte ich dafür sorgen, dass künftig im deutschsprachigen Raum mehr Verwaltungen mit EIPA zusammenarbeiten. EIPA wird daher in Zukunft verstärkt Seminare in deutscher Sprache anbieten und aktiv die besonderen Belange der deutschsprachigen Verwaltungen aufgreifen.

Im öffentlichen Dienst der jungen EU-Mitgliedstaaten, aber auch in den anderen EU-Ländern werden EU-Kompetenzen künftig stärker benötigt werden. Welchen Beitrag leistet das EIPA, um dem erhöhten Fortbildungsbedarf gerecht zu werden?

Nicht nur die sprachliche Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern vor allem auch ihr Verständnis über die Arbeitsweise der EU-Institutionen, über Entscheidungsvorgänge und Möglichkeiten der nationalen Einflussnahme innerhalb der EU ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Agieren auf europäischem Parkett. EIPA bietet eine Vielfalt von Weiterbildungsmaßnahmen an, die maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Verwaltungsmitarbeiter der verschiedenen EU-Staaten eingehen.

Die Skepsis gegenüber der Privatisierung als Instrument der Verwaltungsmodernisierung wächst. Hat die Privatisierungswelle in Europa ihren Höhepunkt überschritten?

Auf allen Verwaltungsebenen ist deutlich geworden, dass Privatisierung sehr gute Regelungen und klare Definitionen von Standards und Qualitäten benötigt, um langfristig erfolgreich zu wirken. Nicht in jedem Fall sind Privatisierungen in der Vergangenheit erfolgreich verlaufen, sowohl zum Schaden der Verwaltungen als auch zum Schaden der Bürgerinnen und Bürger. In der Zukunft wird vermehrt auf der Grundlage von klarem Kalkül wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit entschieden werden, ob eine Aufgabe weiterhin von einer öffentlichen Einrichtung oder von einem privaten Dienstleister erbracht werden sollte.

Die Beschäftigten werden in Deutschland sehr unterschiedlich am Prozess der Verwaltungsmodernisierung beteiligt. Wie sieht nach Ihrem Eindruck die Teilhabepraxis in anderen EU-Ländern aus?

Eine aktuelle Studie von EIPA zeigt, dass in den letzten beiden Jahrzehnten in vielen EU-Staaten die Dezentralisierung von Verantwortlichkeiten innerhalb von Behörden stark vorangetrieben wurde. Damit einher gingen eine zunehmende Führungsautonomie sowie eine Anpassung des öffentlichen Dienstes an lokale Erfordernisse, die auch die Chancen für eine größere Mitarbeiterbeteiligung bieten.

Zur Person:
- 1955 geboren
- Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
- 1989 bis 2004 Leiterin des Bereichs „Staat und Verwaltung" bei der Bertelsmann Stiftung
- 2000 Ernennung zur Honorarprofessorin an der DHV Speyer
- 2004 bis 2007 Referatsleiterin in der Abteilung für Verwaltungsmodernisierung im BMI
- seit November 2007 Generaldirektorin des EIPA in Maastricht

Mehr Informationen:

Das vollständige Interview unter www.dgb.de (Themen - Themen A-Z - Öffentlicher Dienst)

Quelle: Beamten-Magazin, Ausgabe 01/2008

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