Kertz, Udo: „Es wird die Verantwortung aller Akteure betont.“ (aus Beamten-Magazin 06/2011)

„Es wird die Verantwortung aller Akteure betont.“

Am 27. Mai 2011 haben der Hauptpersonalrat beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und der Staatssekretär im BMG, Stefan Kapferer, eine Dienstvereinbarung über „Eckpunkte zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement“ abgeschlossen (Siehe Meldungen, S. 7). Das „Magazin für Beamtinnen und Beamte“ sprach mit dem Vorsitzenden des Hauptpersonalrats im BMG, Udo Kertz, über die Vereinbarung und den langen Weg dahin.

Der Anfang des Jahres veröffentlichte Gesundheitsförderungsbericht des Bundes hat für die Bundesverwaltung einen deutlichen Anstieg der krankheitsbedingten Fehlzeiten auf 7,08 Prozent aufgezeigt. Wie ist die Situation im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit?

Im gesamten Ressort haben wir einen Anstieg des Krankenstandes von 5 (cirka 14 Krankentage) auf 5,5 Prozent. Damit liegen wir unter dem Trend in der gesamten Bundesverwaltung, wonach der Krankenstand seit 2006 kontinuierlich angestiegen ist – auf jetzt 17,5 Krankentage pro Beschäftigtem (Gesundheitsförderungsbericht, S. 44f). Nach der Beobachtung verschiedener Personalräte im Ressort scheint es jedoch so zu sein, dass Leistungsträgerinnen und -träger – wenn sie denn krank werden – längerfristig erkranken.

Die abgeschlossene Vereinbarung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement hat einen langen Weg hinter sich. Welche Hindernisse gab es?

Das stimmt. Wir bemühen uns seit Jahren, das Thema Personalentwicklung voranzubringen. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist ja ein Baustein davon. Zu den Hindernissen: Wir haben vor cirka drei Jahren erkannt, dass eine alle Seiten bindende Vereinbarung notwendig ist. Wir haben daraufhin einen Entwurf erarbeitet, den die damalige Ministerin Ulla Schmidt gut fand, weniger jedoch wohl die Verwaltung des Hauses. Im Wesentlichen hieß es: Zu viel Aufwand, zu viele Gremien, wer soll das machen? Die Verwaltung hat dem in der Folge eine Schulungsveranstaltung für Führungskräfte entgegengestellt – mit einem Dozenten, der seine Handlungsfelder und –schwerpunkte in der Burnout-Prophylaxe sieht. Ob das im BMG unser Hauptproblem ist, lasse ich mal dahingestellt.

Mit Minister Dr. Rösler und Staatssekretär Kapferer bekamen wir Ende 2009 eine Leitung, die die Notwendigkeit von Personalentwicklung und BGM erkannt hat und deren Umsetzung einforderte. Zum Thema Personalentwicklung wurde Mitte 2010 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Ergebnisse wir noch nicht kennen, deren Einsetzung alleine aber die Richtigkeit unserer Position bedeutete: Nicht irgendetwas machen, sondern wenn etwas gemacht wird, muss es systematisch gemacht werden.

Es hat dann in der Folge mehrere Gespräche mit Minister und Staatssekretär gegeben, die offensichtlich für einen gewissen Druck gesorgt haben. Eine Verhandlungskommission wurde gebildet, der Abschluss war die Unterzeichnung Ende Mai.

Welche konkreten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung wurden in der Vereinbarung festgelegt?

Es wird die Verantwortung aller Akteure betont, die der Dienststelle und der Beschäftigten. Die Umsetzung soll in allen Dienststellen bis Ende 2011 begonnen werden. Sie erfolgt dezentral, in eigener Zuständigkeit der jeweiligen Dienststelle. Dem Ministerium obliegt eine gewisse Supervisor-Funktion. Den Führungskräften kommt eine besondere Funktion zu, weil ihr Handeln durchaus erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten haben kann. In allen Dienststellen wird ein Arbeitskreis Gesundheit (AKG) zur Planung und Umsetzung eingerichtet. Zu Sitzungen dieses AKG werden alle Gremienvertreterinnen und -vertreter eingeladen; bei Bedarf sollen auch die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der/die Betriebsarzt/-ärztin und die Sozialberatung hinzugezogen werden. Insbesondere sind alle Beschäftigten eingeladen, sich aktiv an gesundheitsfördernden Maßnahmen zu beteiligen. Ferner ist geregelt, dass es sich nicht um ein statisches, einmal anzuwendendes Verfahren handelt, sondern ausdrücklich, dass ein Erfahrungsaustausch auch zwischen den Dienststellen des Ressorts stattfindet. So sollen auch in Zukunft neuere wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen und eine Auswertung der Erfahrungen durchgeführt und daraus Erkenntnisse gewonnen werden. Mithin wird also das stattfinden, was man Qualitätssicherung nennt.

Zur Person

Udo Kertz ist Vorsitzender des Hauptpersonalrats beim Bundesministerium für Gesundheit.

Quelle: Beamten-Magazin 06/2011

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