Kirchner, Alexander: „Wir stehen für das solidarische Modell“ (aus Beamten-Magazin 07/2010)

„Wir stehen für das solidarische Modell“

Seit fünf Jahren haben GDBA und TRANSNET ihre Tarifpolitik gebündelt und arbeiten erfolgreich zusammen. Auch die Zusammenarbeit auf den Gebieten Beamte und Beschäftigte der Behörden ist inzwischen beschlossene Sache. Mit dem Vorsitzenden der TRANSNET Alexander Kirchner sprach das „Magazin für Beamtinnen und Beamte“ über die Erwartungen an eine neue Gewerkschaft.

Warum ist es gut, wenn sich GDBA und TRANSNET zu einer neuen Gewerkschaft zusammenschließen?

Weil wir gemeinsam einfach mehr erreichen können. Wir ziehen damit die Konsequenz aus unseren Erfahrungen. Die zeigen: Überall dort, wo es Gewerkschaftskonkurrenz gibt, sinkt der Organisationsgrad – und damit bröckelt die Basis für eine gute Interessenvertretung. Gewerkschaften sollten sich nicht in Grabenkämpfen aufzehren, sondern für die Interessen der Beschäftigten eintreten. In vielen Betriebs- und Personalräten arbeiten TRANSNET- und GDBA-Mitglieder zusammen, bis hin zu gemeinsamen Fraktionssitzungen. 2005 haben wir unsere Tarifabteilungen zusammengelegt und gestalten die Tarifpolitik in unserem gesamten Organisationsgebiet seitdem gemeinsam. Wir haben eine gemeinsame Bildungsgesellschaft, wir kooperieren in der Sozialpolitik und in der Beamtenpolitik. Unsere Erfahrungen sind gut, da ist der nächste Schritt einfach logisch.

Die Mitglieder diskutieren den geplanten Zusammenschluss durchaus kritisch. Was sagst Du ihnen, um ihre Vorbehalte zu zerstreuen?

So viele Vorbehalte gibt es gar nicht. Wir haben im Frühjahr über 300 Betriebe in unserem Organisationsgebiet besucht und haben bundesweit 16 Mitgliederversammlungen durchgeführt. Wir haben den gesamten Prozess unter den Titel „Werkstatt Gewerkschaft“ gestellt. Dabei gab es viele wertvolle, auch viele kritische Hinweise zur Gewerkschaftspolitik und zu den Erwartungen der Mitglieder an eine neue Verkehrsgewerkschaft. Viele haben uns aber auch gesagt: Der Schritt ist überfällig, warum hat das so lange gedauert?

Bis zur Gründung einer neuen Gewerkschaft am 1. Dezember wird noch vieles vorzubereiten sein. Was sind die nächsten wichtigen Schritte?

Wir haben unseren Spitzengremien Anfang Juni einen ersten Vorschlag zur Struktur der neuen Gewerkschaft vorgelegt. Dieser wird jetzt mit unseren Funktionären in einer weiteren Reihe regionaler Veranstaltungen diskutiert. Kritische Anmerkungen zum Strukturvorschlag nehmen wir gerne auf. Im nächsten Schritt muss eine Satzung geschrieben werden. Sie soll im Spätsommer/Frühherbst vorliegen und wird dann ebenfalls noch einmal in regionalen Veranstaltungen diskutiert werden. Und dann gilt es natürlich, die Frage des Namens und des Logos der neuen Gewerkschaft zu klären. Insgesamt also ein umfangreiches Programm mit einem sportlichen Zeitplan – aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.

Was wünschst Du Dir für die neue Gewerkschaft?

Für uns geht es um die Frage: Was ist das Gewerkschaftsmodell der Zukunft? Setzen sich Spartengewerkschaften und Berufsverbände durch – oder hat das Modell einer solidarischen Interessenvertretung Zukunft? Wir geben eine eindeutige Antwort: Wir stehen für das solidarische Modell. Der Lackmustest darauf wird dann allerdings unsere Arbeit in den Betrieben sein. Insofern wünsche ich mir, dass wir künftig noch mehr Gesicht in den Betrieben zeigen und dass unser Modell Anziehungskraft ausübt: auf bisher unorganisierte Beschäftigte und vielleicht sogar auf andere Gewerkschaften.

 Zur Person

  • 1956 in Kirberg geboren
  • Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker
  • Jugendvertreter und Personalrat
  • seit 1991 Gewerkschaftssekretär bei der TRANSNET
  • seit 2000 Mitglied des Erweiterten Vorstands der TRANSNET
  • seit 2008 Vorsitzender der TRANSNET

Quelle: Beamten-Magazin 07/2010

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