Wagner, Peter: „Niemand wird alleine gelassen“

Foto: Stadt Wolfsburg

„Niemand wird alleine gelassen“

2014 haben Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs und der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats Peter Wagner die „Grundsatzerklärung gegen Gewalt am Arbeitsplatz der Stadtverwaltung und des Klinikums Wolfsburg“ unterzeichnet. Die mit dieser und dem zugehörigen Leitfaden verfolgten Ziele erläutert uns Peter Wagner.

magazin // Welche Ereignisse haben zu der gemeinsamen Erkenntnis von Arbeitgeber und Personalrat geführt, dass es einer gemeinsamen Grundsatzerklärung gegen Gewalt bedarf?

Peter Wagner // Es war schon lange der Wunsch der Personalvertretung, und vor allem auch von mir persönlich, eine solche Erklärung zu unterzeichnen und einen entsprechenden Leitfaden zu entwickeln. Dieser Leitfaden sollte vornehmlich als Unterstützung und Hilfestellung für alle Beschäftigten dienen, wie mit dem Thema und der Problematik umzugehen ist. Leider stellen wir auch in Wolfsburg eine steigende Gewaltbereitschaft fest. Die Hemmschwellen werden intern wie extern immer geringer. Dies betrifft sowohl den Bereich der psychischen wie auch der physischen Gewalt. Häufig werden die Beschäftigten des städtischen Ordnungsdienstes beschimpft, verbal attackiert oder mit Smartphones fotografiert. Der Krisendienst ist ebenso betroffen, wie unsere Berufsfeuerwehr oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im JobCenter oder im städtischen Klinikum.

magazin // „Wir lassen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht allein!“, lautet einer der vier Grundsätze der Erklärung. Mit welchen Maßnahmen wird er umgesetzt?

Peter Wagner // Diese Frage kann so konkret und allgemein gar nicht beantwortet werden. Der Leitfaden, welcher der Grundsatzerklärung zugrunde liegt, beinhaltet eine Vielzahl von möglichen Maßnahmen, die ergriffen werden können. Allerdings stets als beispielhafte Aufzählung. Eine „Musterlösung“ für jeden Einzelfall kann es auch gar nicht geben. Für uns ist es besonders wichtig, dass die Erklärung und der Leitfaden allen Beschäftigten und insbesondere auch Führungskräften bekannt sind und diese auch Berücksichtigung finden. Ein wesentlicher Punkt ist, dass allen bewusst wird, niemals eine aggressive Handlung zu verschweigen und/oder herunterzuspielen. Beispielsweise ist der Arbeitgeber Stadt Wolfsburg in der Pflicht, unverzüglich zu handeln, wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter persönlich bedrängt oder anderweitig „verfolgt“ werden. Hausverbote aussprechen, mit den betroffenen Personen sprechen und gegebenenfalls durch Umsetzung schützen, wären solche Maßnahmen. Jede Form von Gewalt wird durch den Arbeitgeber zur Anzeige gebracht. Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang auch präventive Maßnahmen, wie zum Beispiel Schulungsmaßnahmen, Deeskalationstrainings oder auch technische Unterstützung.

magazin // Welche Unterstützung können beziehungsweise müssen Führungskräfte geben?

Peter Wagner // Ich erwarte von Führungskräften, dass sie zunächst einmal die Erklärung und den Leitfaden kennen. Es muss ein Vertrauen geschaffen respektive vorhanden sein, damit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihnen auch anvertrauen. Führungskräfte sollten jedes geschilderte Vorkommnis sehr ernst nehmen und gemeinsam mit der betroffenen Person nach Lösungen suchen. Hierbei sind natürlich auch alle Stellen innerhalb der Verwaltung zu berücksichtigen, wie beispielsweise die betriebliche Sozialarbeit, die Personalräte, die Gleichstellungsbeauftragte oder die Personalverwaltung. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilungen sind sämtliche Arbeitsplätze zu überprüfen. Technische Unterstützung ist ebenfalls von Vorteil und befindet sich aktuell in der betrieblichen Umsetzung.

magazin // Wie hat sich der Leitfaden in den vergangenen drei Jahren in der Praxis bewährt?

Peter Wagner // Vorwegschicken darf ich, dass wir seit vielen Jahren eine ganze Reihe von Dienstvereinbarungen und -anweisungen abgeschlossen haben, die allerdings stets nebeneinander Bestand hatten. Wichtig war es, genau diese Vereinbarungen zusammenzuführen. Entscheidend ist, dass die Beschäftigten für sich erkannt haben, dass jegliche Form der Gewalt anzuzeigen ist und dass sie hierbei eine große Unterstützung erfahren. Darüber hinaus sind solche Vorfälle auch den Unfallversicherungsträgern mitzuteilen. Das Thema Gewaltprävention und konkrete Vorfälle werden im sogenannten ARGUS-Steuerkreis (städtischer Arbeitsschutzausschuss) mindestens einmal jährlich besprochen und analysiert. Mitarbeitende suchen häufiger Rat und Unterstützung in solchen Fragen. Und eins wird auch ganz deutlich: Nichts wird tabuisiert und niemand wird mit Problemen alleine gelassen.

Quelle: Beamten-Magazin 06/2017

mehr zum Thema:
Startseite | Newsletter | Kontakt | Impressum
www.beamten-magazin.de © 2020