Habermaaß, Simon: „Wir denken Tarif und Besoldung zusammen“

„Wir denken Tarif und Besoldung zusammen“

In loser Reihe stellen wir die Arbeit der DGB-Jugenden aus dem Bereich des öffentlichen Dienstes vor. Wir beginnen unsere Interview-Serie mit Simon Habermaaß, Bundesjugendsekretär von ver.di, der seit zwei Jahren in diesem Amt ist.

Welche Themen beschäftigen Euch als ver.di-Jugend besonders?

Simon Habermaaß // Prägend waren zuletzt die Auseinandersetzungen im öffentlichen Dienst für einen besseren Tarifvertrag und bessere Beamtenbesoldung. Da standen besonders die jungen Beschäftigten im Fokus. Mit der Jugendkampagne „Tarifdeluxe“ hatten wir eine gemeinsame Dramaturgie mit den Kolleginnen* in ganz Deutschland: Es gab Jugendblocks sowie Jugendstreiks und am Ende eine große Aktion in Potsdam zur dritten Verhandlungsrunde. Wir haben uns durchgesetzt: Auszubildende erhalten in diesem und im nächsten Jahr eine Erhöhung von 50 Euro pro Monat. Das soll laut Referentenentwurf auch auf die Beamtenanwärterinnen übertragen werden. Für uns ist klar: Wir denken Tarif und Besoldung zusammen. In den nächsten Jahren steht die Arbeitszeit auf dem Themenzettel. Dass Beamtinnen deutlich länger arbeiten müssen als ihre tarifbeschäftigten Kolleginnen, ist eine Ungerechtigkeit.

Große Druckmittel hat man hier nicht, das Streikrecht für Beamtinnen wurde vom Verfassungsgericht verneint.

Simon Habermaaß // Wir sind für ein Streikrecht für alle und bedauern die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Aber wir wissen, wie wir Druck aufbauen können. Als Seehofer zu den Verhandlungen in Potsdam kam und dachte, er könne mal ein paar Hände schütteln und ein schönes Bild erzeugen, haben ihm 400 wütende Beamtenanwärterinnen und Auszubildende deutlich gemacht, dass die Vergütung nicht ausgewürfelt werden darf und sie auch teilhaben wollen an den sprudelnden Steuereinnahmen. Das hat Wirkung gezeigt.

Wo drückt der Schuh bei den Beamtenanwärterinnen? Was wollt Ihr hier erreichen?

Simon Habermaaß // Wichtig ist die Qualität der Ausbildung. Da fehlt es oft an Dingen, die für Azubis im Berufsbildungsgesetz geregelt sind: Etwa Lernmittelfreiheit. Und es braucht eine gute Verzahnung von Theorie und Praxis. Ansonsten: Gute Lernmaterialien, einen eigenen Arbeitsplatz und Ausbilderinnen, die ausreichend Zeit haben, sich um die Kolleginnen zu kümmern. Und sie sollten auch Wertschätzung erhalten, die sich auch in der Vergütung ausdrückt. Wir vernetzen die Jugend- und Auszubildendenvertreterinnen für den Kampf um Qualität und helfen konkret. So bieten wir an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in NRW Prüfungsvorbereitungskurse für unsere Mitglieder an.

Wie gewinnt ihr ver.di-Mitglieder unter Beamtenanwärterinnen – und am besten so, dass sie aktiv werden?

Simon Habermaaß // Das Erste ist – egal, ob Azubi oder Anwärterin – sie betriebsnah anzusprechen durch Betriebs- und Personalräte, Vertrauensleute oder Jugend- und Auszubildendenvertreterinnen. Dann: ins Gespräch kommen über ihre Ausbildung und ihre Themen zu Themen der Gewerkschaft machen. Bloß nicht gleich mit Gremienarbeit kommen, sondern projektorientierte Angebote machen. Beispiel Tarif- und Besoldungsrunde – da konnten junge Kolleginnen für einen überschaubaren Zeitraum für ihre Anliegen gemeinsam aktiv werden. Die Fähigkeiten dafür haben die meisten nicht mit der Muttermilch aufgesogen, müssen sie erlernen. Deshalb haben wir bundesweit ein Empowermenttraining entwickelt. Wenn sich Kolleginnen aus einem Betrieb oder Gremium fit machen wollen, dann kommen Trainerinnen zu ihnen und machen maßgeschneiderte Angebote. Wir sollten selbstbewusst nach vorne tragen, was wir anbieten: Tarifkampagnen, Bildungsangebote und vor allem eine flächendeckende Vertretung vor Ort mit bundesweit rund 60 Jugendsekretärinnen. Das hat keine Organisation außerhalb des DGB.

Was hat Dich bewogen, gewerkschaftlich aktiv zu werden?

Simon Habermaaß // Eine Tarifrunde, ganz klassisch. Ich habe 2006 eine Ausbildung gemacht zum Fachinformatiker an einem Hochschulrechenzentrum. Während der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst erlebte ich Gewerkschaften ganz konkret. Da wollte ich nicht an der Seite stehen, sondern mit anderen für meine Ausbildungsbedingungen kämpfen. Dann war ich aktiv im Bezirksjugendvorstand. Später habe ich studiert und war weiter in der ver.di Jugend aktiv, wurde dann ehrenamtlicher ver.di-Vorsitzender. Anfang 2016 wechselte ich vom Ehren- zum Hauptamt. Seitdem bin ich ver.di- Bundesjugendsekretär.

Das Gespräch führte Claudia Falk

Quelle: Beamten-Magazin 07-08/2018

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