Radek, Joerg: „Das Behördliche Gesundheitsmanagement wird derzeit kaum entwickelt.“

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„Das Behördliche Gesundheitsmanagement wird derzeit kaum entwickelt.“

Aktuell läuft der Personalaufbau bei den Polizeien auf Hochtouren. Nach Jahren des „Fahren auf Verschleiß“ richten sich nun alle Kapazitäten auf die Einstellung und Ausbildung des Nachwuchses. Zumindest bei der Bundespolizei werden dadurch aber wichtige beschäftigungspolitische Stellschrauben vernachlässigt, etwa das betriebliche Gesundheitsmanagement. Und das trotz steigender psychischer und physischer Belastung der Einsatzkräfte und trotz weiter gestiegener Fehltage. Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP, erläutert die aktuelle Lage

In der Bundesverwaltung und den nachgelagerten Behörden ist auch laut Gesundheitsförderungsbericht 2017 der Krankenstand überdurchschnittlich hoch. Wie sieht es bei der Bundespolizei aus?

Die Bundespolizei hat ihren Gesundheitsbericht 2017 auf das Thema „Behördenkultur“ ausgerichtet. Die krankheitsbedingten Fehltage in der Bundespolizei waren 2017 ebenso erhöht wie in der Bundesverwaltung. Sie wurden jedoch nicht offengelegt. In den Behörden der Bundespolizei und ihren Unterbehörden waren die Krankenstände sehr unterschiedlich. Ein Nord-Südgefälle oder ein hohes Lebensalter waren nicht ursächlich dafür.

Das Behördliche Gesundheitsmanagement wird derzeit kaum entwickelt. Alle Kapazitäten richten sich schwerpunktmäßig auf Einstellung und Ausbildung! Die Ausfalltage liegen im Durchschnitt bei 26 Tagen.

Der Polizeidienst stellt besondere Anforderungen an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie an die seelische Belastbarkeit. Haben sich die Belastungen im Laufe der Jahre verändert?

Ja, die seelischen Belastungen haben sich verändert, die Herausforderungen steigen. Die vermehrten Angriffe auf Polizeibeamte während ihrer täglichen Aufgabenerfüllung sind Ausdruck von Respektlosigkeit, obwohl die gesellschaftliche Anerkennung der Polizei hoch ist.

Welche präventiven Maßnahmen der Arbeitsgestaltung müssen verbessert werden, um daraus folgende gesundheitliche Belastungen im Polizeidienst zu minimieren?

Die Gesundheitsförderung und die Stärkung des Ärztlichen und Sicherheitstechnischen Dienstes mit seinen Schwerpunkten wie der Arbeitssicherheit und dem Arbeitsschutz, dem Polizeiärztlichen Dienst, dem Arbeitsmedizinischen Dienst sowie der Sucht- und Sozialberatung, sind dringend erforderlich. Es bedarf eines Maßnahmenpaketes, um den Belastungen und dem hohen Altersdurchschnitt entgegenzuwirken. Dazu gehören etwa: Wochenarbeitszeit senken, garantiertes freies Wochenende im Monat, flexible Arbeitszeitkonten, Gestaltung von weiteren Maßnahmen der aktiven Gesundheitsförderung und Entwicklung eines einheitlichen Gesundheitsmanagements.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2019

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