Köppl, Carsten: Modernes und innovatives Arbeitsumfeld muss gelebt werden

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Foto: Mathis Beutel

Modernes und innovatives Arbeitsumfeld muss gelebt werden

Was war für Sie die Motivation, diese Umfrage durchzuführen und das Nachwuchsbarometer zu erstellen?

Als Next:Public wollen wir mithelfen, dass der öffentliche Dienst auch in einem agileren und dynamischeren Arbeitsmarkt ein attraktiver Arbeitgeber bleibt. Wir hatten zwar eine Grundvorstellung, woran es in den Verwaltungen hapert, hatten dafür aber keinen empirischen Beleg. Mit der Studierendenbefragung wollten wir deshalb herausfinden, was gut qualifizierte junge Menschen vom öffentlichen Dienst als Arbeitgeber denken und erwarten. Das Nachwuchsbarometer war geboren. Wir haben viele Unterstützer gefunden, die den Bedarf ebenfalls sahen, hier gilt mein Dank vor allem dem Bundesinnenministerium.

In den nächsten Tarif- und Besoldungsrunden – so viel ist schon absehbar – streiten die Gewerkschaften für eine angemessene und gerechte Bezahlung im öffentlichen Dienst, aber auch für eine Entlastung der Beschäftigten und mehr Arbeitszeitsouveränität. Wie werden die Themen Bezahlung und Arbeitszeit von den Befragten eingeschätzt?

Eine angemessene Bezahlung ist den Studierenden sehr wichtig und rangiert sehr weit oben in unserer Befragung. Der öffentliche Dienst darf sich beim Lohn nicht zu weit abkoppeln, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Jedoch wird auch deutlich, dass die Bezahlung allein noch keinen attraktiven Arbeitgeber ausmacht. Dazu müssen noch weitere Kriterien erfüllt sein, z.B. das Angebot individueller Weiterbildung, die in Richtung Talent Management geht, oder die Möglichkeit zu mobilem Arbeiten: Für jeden vierten Studierenden ist mobiles Arbeiten sehr wichtig, aber nur jeder Siebte sieht das in der Verwaltung als hoch umgesetzt an. Bei der Arbeitszeitflexibilität hat der öffentliche Dienst gewisse Stärken, das wird auch von den Studierenden gesehen. Jedoch gibt es Branchen, wie z.B. Polizei, Feuerwehr, Pflege, wo Schichtmodelle vermeintlich flexiblen Arbeitszeitwünschen entgegenstehen. In Zukunft werden auch hier schlaue Modelle gebraucht.

An welchen Punkten gehen denn nach Einschätzung der Studierenden Wunsch und Wirklichkeit am stärksten auseinander? Was erwarten Studierende vom öffentlichen Dienst, sehen es aber nicht erfüllt?

Das derzeitige Image des öffentlichen Dienstes richtet sich vor allem an sicherheitsbewusste Studierende, das wird in der Befragung deutlich. Generell lässt sich sagen: Je agiler das Mindset der Studierenden, desto seltener möchten sie in der Verwaltung arbeiten, weil ihnen die Möglichkeit zur eigenständigen Arbeitsorganisation und zur Teamarbeit fehlt. Dem starken Wunsch nach schnellen Karriereaufstiegschancen wird laut Umfrage auch nicht entsprochen. Zudem denken viele Studierende, dass die IT-Ausstattung der öffentlichen Hand dem der Privatwirtschaft hinterherhinkt. Das schreckt vor allem IT-Studierende ab, die natürlich in einem modernen technischen Umfeld arbeiten wollen.

Was lassen sich aus der Befragung für Empfehlungen an öffentliche Arbeitgeber und Dienstherren ableiten? Was können sie bei der Nachwuchsgewinnung besser machen?

Vor dem Hintergrund einer komplexen, sich schnell verändernden Welt muss die öffentliche Hand stärker den Nachwuchs mit einem agilen und dynamischen Mindset ansprechen. Das muss von innen wachsen. In Werbebotschaften von einem „modernen und innovativen“ Arbeitsumfeld zu sprechen, ist nicht nachhaltig, wenn es nicht wirklich gelebt wird. Das merken die Bewerber dann schon beim Bewerbungsverfahren. Laut unserer Befragung sollte der Zeitraum von Eingang der Bewerbung bis Einstellung maximal acht bis zehn Wochen betragen. Allgemein müssen die Bewerbungsverfahren der Verwaltungen schneller, nutzerfreundlicher und mehr auf Augenhöhe gestaltet werden – schließlich bewerben sich die Arbeitgeber beim Nachwuchs und nicht mehr andersrum.

Quelle: Beamten-Magazin 03/2020

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