Ausgabe 2009/12: Chancen des Alters


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Chancen des Alters

Schöneberger Forum über Anforderungen an zukünftige Generationen im öffentlichen Dienst

Die längere Lebensarbeitszeit bestimmt die Debatte über Anforderungen an zukünftige Generationen im öffentlichen Dienst – auch beim Schöneberger Forum des DGB. Vorrangig müsse jedoch die Frage geklärt werden, wie Beschäftigte gesund das Pensionsalter erreichen und damit sich und dem Nachwuchs Chancen sichern. Diesen Standpunkt vertraten sowohl Gewerkschafter/innen als auch Wissenschaft er/innen und Politiker/innen in der Diskussion über „Generationswechsel im öffentlichen Dienst. Nachwuchs gewinnen, Gesundheit fördern, Altersversorgung sichern" am 17. und 18. November in Berlin.

Eine wachsende Zahl älterer Beschäftigter muss sich auf neue Aufgaben einstellen. So stellt sich für Dr. Hans Bernhard Beus, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, der demografische Wandel im öffentlichen Dienst dar. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Bund ist heute älter als 45 Jahre, ein erheblicher Teil wird in den kommen den Jahren altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden. Die heutigen Mitarbeiter/ innen werden aufgrund der langfristigen Beschäftigungsverhältnisse in zehn Jahren größtenteils dieselben sein – die Aufgaben und Anforderungen nicht. Daher müsse langfristig geplant werden,
was dann ihre Tätigkeit sein könnte, sagte Beus. Beispielsweise würden weniger Erzieher/ innen gebraucht, aber mehr Altenpfleger/innen, da die Menschen immer älter würden, aber weniger Kinder zur Welt kämen. „Wir werden uns sicher intensiver um die Mitarbeiter kümmern müssen, die heute schon bei uns sind", meinte Beus. Dabei müssten Fort- und Weiterbildung, alternsgerechte Arbeitsplätze und Gesundheitsförderung mehr Bedeutung erhalten.

Generationswechsel als Chance: Den öffentlichen Dienst verjüngen

Nils Kammradt vom DGB-Bundesvorstand konterte: „Wir haben einen nicht zufriedenstellenden Gesundheitsstand." Der Leiter des Bereichs Öffentlicher Dienst und Beamte widersprach Beus auch in der Einschätzung, dass weniger Schulen und Kindergärten gebraucht würden. Eine bessere Ausstattung mit Kindergärten und bessere Bildung hänge nicht von der Zahl der Kinder ab. „Es ist eine Frage dessen, was wir uns leisten wollen." Beides – mehr Einrichtungen für Jung und Alt – sei möglich und nötig. Der DGB-Bundesbeamtensekretär warb dafür, die altersbedingten Abgänge in der öffentlichen Verwaltung als Chance zu begreifen: Als Chance, den öffentlichen Dienst zu verjüngen und attraktive Arbeitsbedingungen für den Nachwuchs zu schaffen. Die hohe Zahl älterer Beschäftigter ist Kammradt zufolge keine natürliche Entwicklung, sondern Folge von Stellenabbau. Er kritisierte, der demografische Wandel werde immer dann betont, wenn Kürzungen geplant seien.

Den Ruhestandseintritt flexibel gestalten – aber wie?

Wie Kammradt, lenkte auch der FDP-Innenpolitiker Dr. Stefan Ruppert den Blick auf die Chancen der alternden Gesellschaft. Dazu zählte er etwa die im Koalitionsvertrag von CDU und FDP erwähnte „flexiblere Gestaltung des Eintritts in den Ruhestand". Das bedeute: Ausscheiden ab 60 Jahren mit Abschlägen, aber auch die Möglichkeit, mit begleitender Gesundheitsprüfung über das 67. Lebensjahr hinaus zu arbeiten. Ruppert erklärte allerdings, es werde keine Alleingänge im Beamtenrecht geben, die auf die gesetzliche Rente übertragen würden. Für Petra Pau, Bundestagsabgeordnete der Linken, gibt es keinen Zusammenhang zwischen längerer Lebensdauer und längerer Arbeitszeit. Die Grünen sind grundsätzlich für
eine Arbeitszeit bis 67 Jahre. „Aber es muss auch Arbeit geben", schränkte der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland ein. Ausnahmen forderte er für körperlich hart arbeitende und psychisch beeinträchtigte Menschen. Für den SPD-Innenpolitiker Siegmund Ehrmann ist entscheidend, dass die Menschen die Aufgaben bis ins Alter erfüllen können. Ehrmann will über Altersteilzeit weiterdiskutieren.

Verkehrter Schritt zum falschen Zeitpunkt

Der DGB hält den Ausstieg aus der staatlich geförderten Möglichkeit, die Arbeitszeit im Alter zu reduzieren, für falsch. Kammradt betonte, bei der Diskussion über Übergänge in den Ruhestand soll es keine „Privilegienregelung" geben. Es dürfe nicht so sein, „dass der, der es sich leisten kann, mit 60 in Ruhestand geht und der, der das Geld nicht zusammen hat, erst mit 67 oder später". Generell stellte er fest: „Wenn wir es nicht schaffen, dass Ältere länger im Arbeitsleben bleiben, ist die längere Arbeitszeit ein verkehrter Schritt zum falschen Zeitpunkt."

Quelle: Beamten-Magazin 12/2009
















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