Ausgabe 2017/01: Feuerwehrmann - Ein Job für Teamplayer mit Hirn und Mut


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Fotos: Eduard Fiegel

Wenn die Alarmglocken läuten, dann ist in der Wache höchste Konzentration angesagt. Jeder Einsatz der Feuerwehrleute läuft nach einem festen Muster – und doch wissen die Männer nie, was sie erwartet. „Das ist genau das Spannende an dem Beruf“, sagt Jerry Kerker, junger Brandmeister bei der Feuerwehr in Dortmund. Als Junge hat er neben einer Feuerwache gewohnt, immer wieder das „Tatü-Tata“ gehört und fasziniert beobachtet, wie sich die Löschzüge in Bewegung setzten.

Doch weder ging er zur Freiwilligen Feuerwehr noch bewarb er sich bei der Berufsfeuerwehr. Letzteres wäre auch nicht gegangen, denn fast überall in Deutschland müssen Bewerber erst einen Abschluss in einem anderen Beruf machen – „möglichst in einem handwerklichen oder technischen“, sagt Mark Zandstra, der Teamleiter der Feuerwehrschule. Allerdings hat die Feuerwehr vielerorts Nachwuchssorgen, darum muss diese Anforderung mitunter gelockert werden.

Bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Hannover etwa gibt es die Variante, junge Leute mit Realschulabschluss zunächst als Notfallsanitäter auszubilden, bevor sie in die Brandmeisterausbildung übernommen werden. Auch in Berlin gibt es ein Programm, bei dem sich Schüler nach der Mittleren Reife bewerben können. Wenn sie für „112 Direkt“ eingestellt werden, lernen die jungen Leute zunächst eineinhalb Jahre lang handwerklich-technische Kenntnisse, dann beginnt die reguläre Ausbildung. Jerry Kerker hat nach seinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Chemikanten durchlaufen – das war ihm auf die Dauer allerdings zu wenig actionreich. „Aber bei der Feuerwehr kann ich mein Wissen gut gebrauchen, denn wir haben es auch bei Einsätzen immer wieder mit gefährlichen Chemikalien zu tun“, sagt er.

Nachdem er eine Weile in seinem ersten Beruf gearbeitet hat, bewarb sich Kerker bei der Feuerwehr der Stadt Dortmund. Er wurde zum mehrstufigen Einstellungstest eingeladen – und das war alles andere als ein leichtes Spiel. Wissenstest, Sporttest, persönliches Gespräch. Und dann die Untersuchung beim Amtsarzt, denn die angehenden Beamten müssen fit sein für einen anstrengenden Beruf.

Gelernt wird ein Leben lang

Die Brandschützer werden als Beamte auf Widerruf eingestellt – in dem Bundesland, in dem sie arbeiten. Aber: Jedes Bundesland bildet unterschiedlich aus, auch Bewerbungsverfahren und Einstellungskriterien variieren leicht. Während es in manchem Land noch eine Mindest-Körpergröße gibt, ist das an anderen Orten kein Thema. Auch nach dem Body-Mass-Index wird geschaut – der muss sich in einem vernünftigen Rahmen halten. Eine Brille gilt nicht mehr als Hinderungsgrund – mitunter kommt es aber auf die Dioptrin-Zahl des Bewerbers an.

„Die Ausbildung dauert zwischen sechs und 24 Monaten, der Abschluss variiert“, sagt Arno Dick, Bundesfachgruppenleiter Feuerwehr bei der Gewerkschaft ver.di in Berlin. „In manchen Ländern wird man nur für den Löschdienst vorbereitet, in anderen werden die jungen Leute sowohl zum Feuerwehrmann als auch zum Sanitäter ausgebildet.“ In dieser Zeit ist vor allem eines angesagt: Lernen. Denn die jungen Brandschützer durchlaufen zunächst eine Grundausbildung, in der sie im täglichen Unterricht Notfallsituationen simulieren, Juristisches und Technisches lernen, den Führerschein für die Löschfahrzeuge machen.

Einsätze in der Wache, Seminare, Vertiefungen, Praktika – es dauert eine Weile, bis man schließlich Brandmeister ist. „Das war eine harte Zeit“, sagt auch Jerry Kerker. Denn der Stoff ist überwiegend neu, hinzu kommt die körperliche Anstrengung. Und dann ist das Lernen nicht vorbei: „Damit haben die Brandmeister einen Grundstock, im Job wird das Wissen jeden Tag vertieft und erweitert“, sagt Zandstra. Sie müssen zu Fortbildungen und sich kontinuierlich weiter qualifizieren. Bei vielen der gut 100 Berufsfeuerwehren, die es in Deutschland gibt, sind zudem Spezialeinheiten im Dienst: Höhenretter, Taucher oder Schiffsbrandbekämpfer sind nur einige Beispiele.

Doch die Rekrutierer bei den Feuerwehren müssen schon bei den Bewerbungen genau hinschauen: „Die Leute müssen große körperliche und geistige Fitness mitbringen“, sagt Zandstra. Auch eine gewisse handwerkliche Begabung sollte da sein, zudem Affinität zur Technik und ein gutes Verständnis für Computer und moderne Technik.

Und noch eines müssen die Brandschützer sein: Teamplayer. „Man arbeitet in der Gruppe, 24 Mann auf einem Löschzug“, sagt Zandstra. Auch in den Wachen stellt sich in den Schichten eine Art Familienleben ein. „Sie sind rund um die Uhr besetzt, an Weihnachten, an Ostern, an allen Feiertagen“, sagt Dick. „Da kann man Einzelkämpfer nicht gebrauchen.“ Auch muss sich einer komplett auf den anderen verlassen können, wenn es hinausgeht in eine Gefahrensituation.

Frauen sind indes noch immer selten bei den Berufsfeuerwehren – zumindest im Einsatzdienst. Man ist sich einig, dass es mehr Brandmeisterinnen geben müsste. Aber nicht nur die körperlichen Voraussetzungen stehen der Einstellung oft im Weg, bereits bei der notwendigen handwerklich-technischen Vorausbildung ist der Frauenanteil gering. „Es gibt Bewerberinnen, doch viele kommen nicht durch den Sporttest – selbst, wenn er angepasst ist“, sagt Dick. Und: „Für Bewerberinnen ist es wichtig, nicht unvorbereitet in den Sporttest zu gehen.“

Feuerwehrleute sind überall gefragt

Bezahlt werden die Auszubildenden recht gut, der Anwärtergrundbetrag in Nordrhein-Westfalen etwa liegt bei 1.130 Euro, in Schleswig-Holstein bei rund 1.400 Euro. Er wird gegebenenfalls durch einen Familienzuschlag und Kindergeld erhöht. Wenn die Brandmeister alle Prüfungen erfolgreich bestehen, sind sie drei Jahre lang Beamte auf Probe, ehe sie Lebenszeit-Beamte werden. Früher lernten die Brandmeister in dem, was mittlerer feuerwehrtechnischer Dienst hieß, heute ist das Laufbahngruppe 1, 2. Einstiegsamt Fachrichtung Feuerwehr. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, innerhalb der Feuerwehr aufzusteigen – leider gehe das in vielen Bundesländern nicht, ohne dass sie noch einmal ausführlich die Schulbank drücken, sagt Dick. Die Führungspositionen allerdings werden meist mit Leuten besetzt, die ein technisches Studium abgeschlossen haben.

Da Feuerwehrleute in fast allen Bundesländern gesucht werden, ist auch der Wechsel vom Norden in den Süden oder vom Osten in den Westen derzeit recht unproblematisch. „Wer gut ausgebildet ist, kann bei jeder Berufsfeuerwehr arbeiten“, sagt Zandstra. Da sich die Ausbildungen mitunter doch stark unterscheiden, können allerdings weitere Seminare und Qualifikationen auf dem Programm stehen, ehe der Dienst in der Wache beginnt. Und: Wer nicht als Beamter bei einer Kommune arbeiten will, kann sich bei der Bundeswehr bewerben oder bei großen Betrieben, die eine eigene Werkfeuerwehr haben.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2017

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