Ausgabe 2012/01: Gesundheitsförderungsbericht 2010 erschienen


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Gesundheitsförderungsbericht 2010 erschienen

Analyse der Arbeitsbelastungen erforderlich

Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat Ende vergangenen Jahres den Bericht über die Gesundheitsförderung sowie die krankheitsbedingten Fehlzeiten der Tarifbeschäftigten und Beamtinnen und Beamten in der unmittelbaren Bundesverwaltung veröffentlicht. Die Informationen und Zahlen für das Jahr 2010 lassen auch diesmal die Frage nach den Krankheitsursachen offen.

Fehlzeiten erneut gestiegen

Nachdem die Krankheitstage der Beschäftigten in der unmittelbaren Bundesverwaltung bereits in den Jahren 2008 und 2009 wieder angestiegen waren, erreichten sie 2010 den höchsten Wert seit 1998. Der Durchschnitt der Fehlzeiten lag 2010 bei 18,06 Arbeitstagen je Beschäftigtem und entspricht damit 7,19 Prozent der gesamten 251 Arbeitstage. An jedem Arbeitstag fehlten somit durchschnittlich ca. 18.800 Beschäftigten. Die Personalausfallkosten beziffert der Bericht mit rund 664 Millionen Euro und umgerechnet rund 2,6 Millionen Euro pro Arbeitstag. Der Anstieg der Fehlzeiten geht, wie im Jahr 2009, vor allem auf die Zunahme von Fehltagen durch Langzeiterkrankungen über 30 Tage zurück. Die Frage, warum die Beschäftigten wieder häufiger erkranken, kann der Bericht nicht beantworten.

Krankheitsursachen weiter ungeklärt

Die eigentliche Herausforderung bleibt also das Erkennen der Krankheitsursachen. Dazu gehört vor allem eine gründliche Analyse der körperlichen und psychischen Belastungen, die am Arbeitsplatz auftreten, denn um die Gesundheit der Beschäftigten gezielt fördern zu können, müssen Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass sie nicht krank machen. Auf Grund fehlender Informationen kann also nur vermutet werden, weshalb die Fehlzeiten kontinuierlich steigen. „Seit Jahren wird Personalabbau betrieben. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, und die Arbeitsbereiche werden stetig größer. Kein Wunder, dass der Krankenstand steigt. Es wird immer deutlicher, dass hier ein Zusammenhang besteht. Dennoch will die Bundesregierung weiter 10.000 Stellen bis 2014 abbauen", so die stellvertretende DGB Vorsitzende Ingrid Sehrbrock im November 2011. Die Situation wird durch das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter der Beschäftigten im Bundesdienst verschärft, denn mit zunehmendem Alter erkranken Beschäftigte tendenziell häufiger. Laut Bericht ist es seit 1993 um drei Jahre angestiegen und lag 2010 bei 45,01 Jahren.

Entwicklung der Fehltage je Beschäftigtem in der unmittelbaren Bundesverwaltung von 1998 bis 2010

  

Quelle: Gesundheitsförderungsbericht 2010 der unmittelbaren Bundesverwaltung.
Hg. Bundesministerium des Innern.

Gute Ansätze – mangelnde Umsetzung

Im Bericht werden durchaus etliche überzeugende Ansatzpunkte formuliert. So heißt es unter anderem: „Dem Thema „Psychische Belastungen" muss besonderes Augenmerk gewidmet werden. Zeitdruck, geringe Handlungsspielräume, Mängel in der Führung – die Ursachen für psychische Belastungen sind vielfältig. Und folgenreich: Psychische Belastungen beeinträchtigen die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten, führen häufig zu Erkrankungen, Fehlern und Unfällen und gelten als ein Grund für das Entstehen von psychischen Erkrankungen." Auch das Augenmerk auf das betriebliche Eingliederungsmanagement zu lenken, ist sicherlich ein sinnvoller Ansatz. Es soll regelmäßig auf seine Effektivität geprüft und bei Bedarf angepasst werden. Solange sich aus dem Bericht aber keine Hinweise auf die Ursachen der Erkrankungen ableiten lassen, stellt sich die Frage, wie eine für die Beschäftigten wirklich hilfreiche Gesundheitsförderung aussehen könnte. Das BMI ist hier durchaus selbstkritisch und greift mögliche Strategien auf. „Unmittelbare Rückschlüsse auf die Ursachen von Erkrankungen und geeignete Gegenmaßnahmen sind durch eine isolierte Fehlzeitenstatistik nicht möglich. Entscheidend ist, dass Behörden ihre Analyse in ein ganzheitliches Konzept des betrieblichen Gesundheitsmanagements einbinden. Neben der quantitativen Erhebung der Fehlzeiten ist daher eine qualitative Bewertung von arbeitsbedingten Krankheitsursachen notwendig. Dies ist jedoch nur im Dialog mit den Beschäftigten möglich, z. B. durch Mitarbeiterbefragungen, Gefährdungs- oder Arbeitssituationsanalysen und Gesundheitszirkel." Diesen Weg gilt es aus Sicht des DGB zukünftig noch stärker zu beschreiten als bisher.

Maßnahmen der Gesundheitsförderung ausgebaut

Gleichwohl zeigt die ausführliche Berichterstattung über die Gesundheitsförderung in der Bundesverwaltung, dass das Thema weiter an Bedeutung gewonnen hat. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt zur Zeit im Bereich der Sensibilisierung der Führungskräfte. Die Unfallkasse des Bundes sowie die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung bieten Fortbildungen und Fachtagungen an. Der Bericht greift auch das Angebot der einzelnen Ressorts für die Verhältnis- und Verhaltensprävention auf. Maßnahmen, die die Arbeitsorganisation und die Arbeitsbedingungen verbessern sollen, werden erläutert. Sie werden überwiegend durch einen Arbeitskreis Gesundheit in der jeweiligen Behörde gestützt. Beschrieben werden außerdem Konzepte, die das gesundheitsbewusste Verhalten der Beschäftigten fördern sollen. Beispiele sind hier die „bewegte Mittagspause" und Veranstaltungen zum Stress-und-Konflikt-Management.

DGB: Personalabbau muss gestoppt werden

Mehr Gesundheitsförderung und gleichzeitig ein steigender Krankenstand – das klingt nach Widerspruch. Die Entwicklung könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Maßnahmen nicht an den tatsächlichen Ursachen ansetzen. Sie könnte auch das Indiz dafür sein, dass der DGB mit seiner Vermutung, die Arbeitsverdichtung stelle das eigentliche Problem dar, richtig liegt. Denn wenn die Arbeit immer stressiger wird, dann hilft auch keine gut gemeinte Gesundheitsförderung. Die klare DGB-Forderung lautet deshalb: Schluss mit dem Personalabbau! Dieser Trend muss gestoppt werden.

Mehr Informationen:
Download der Gesundheitsförderungsberichte unter www.bmi.bund.de

(Themen - Öffentlicher Dienst - Personalmanagement - Fehlzeiten und
Gesundheitsförderung in der Bundesverwaltung)

Quelle: Beamten-Magazin 01/2012

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