Ausgabe 2014/01: Personalabbau und steigender Krankenstand


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An die 56.000 Stellen wurden zwischen 2006 und 2012 in den obersten Bundesbehörden und ihren Geschäftsbereichen abgebaut. Im gleichen Zeitraum stieg der durchschnittliche Krankenstand der Beschäftigten von 15,37 auf 19,25 Arbeitstage. Während innerhalb von sechs Jahren fast 19 Prozent des Personals eingespart wurde, nahmen die krankheitsbedingten Fehltage um 25 Prozent zu. Die Zahlen sind alarmierend.

Krankheitsquote steigt weiter

2012 waren die Beschäftigten in der unmittelbaren Bundesverwaltung an 7,67 Prozent der Arbeitstage krankheitsbedingt verhindert. Das bedeutet erneut einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Daten sind dem Gesundheitsförderungsbericht des Bundesministeriums des Innern (BMI) zu entnehmen, der Ende 2013 veröffentlicht wurde. Berücksichtigt wurden insgesamt 242.845 Personen (ohne Soldatinnen und Soldaten). Laut Bericht geht der Zuwachs bei den Abwesenheitszeiten im öffentlichen Dienst des Bundes auf mehr Langzeiterkrankungen zurück. Dies sind Erkrankungen mit einer Dauer von mehr als 30 Tagen. Davon betroffen sind wiederum insbesondere ältere Beschäftigte. Demnach sind ältere Beschäftigte zwar weniger häufig krank als jüngere, dafür dauert die Erkrankung aber länger. Betrachtet man die Häufigkeit von Fehltagen nach Altersgruppen und berücksichtigt, dass das Durchschnittsalter von derzeit 45,6 Jahren unter anderem auf Grund der Anhebung der Regelaltersgrenze bei Rente und Pension in den nächsten Jahren weiter steigen wird, ist nicht mit einer Trendwende zu rechnen. Diesen Schluss zieht auch das BMI im vorliegenden Bericht.

Die Altersstruktur und ihre Konsequenzen

Das BMI verweist auf die demografischen Rahmenbedingungen als eine Ursache für den Krankenstand. So waren im Jahr 2012 59,7 Prozent der Beschäftigten der unmittelbaren Bundesverwaltung älter als 45 Jahre während dies in der übrigen Erwerbsbevölkerung auf 44,6 Prozent zutraf. Angesichts der demografischen Entwicklung hebt das BMI die Bedeutung präventiver und gesundheitsförderlicher Maßnahmen hervor. Und in der Tat ist in den vergangenen zwei Jahren eine verstärkte Zuwendung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement festzustellen, die unter anderem im Projektsteckbrief „Weiterentwicklung des Systematischen betrieblichen Gesundheitsmanagements“ zum Ausdruck kommt. Dieser wurde im Zuge des Demografiegipfels der Bundesregierung im vergangenen Jahr unter Beteiligung der Gewerkschaften erarbeitet. Das BMI selbst betont immer häufiger die Wichtigkeit eines Gesamtkonzepts für ein betriebliches Gesundheitsmanagement. An einem solchen muss sich die Führungsebene der Bundesverwaltung in den kommenden Monaten messen lassen.

Zu einem umfassenden Konzept gehört auch die verantwortungsvolle Aufgabe des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM). Arbeitgeber sind gesetzlich dazu verpflichtet, Beschäftigten, die innerhalb eines Jahres insgesamt mehr als sechs Wochen krankheitsbedingt am Arbeitsplatz gefehlt haben, ein BEM-Verfahren anzubieten. In dessen Rahmen sollen Lösungen für den Erhalt bzw. für die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit gefunden werden (siehe hierzu auch das Interview auf Seite 9). Mit Verweis auf den weiteren Anstieg von Langzeiterkrankungen

Durchschnittliche Abwesenheit nach Alters- und Laufbahngruppen in der unmittelbaren Bundesverwaltung im Jahr 2012*

* Die Abbildung berücksichtigt ca. 73 Prozent der Beschäftigten der unmittelbaren Bundesverwaltung
(nicht berücksichtigt: Geschäftsbereich des Bundesverteidigungsministeriums)

Quelle: Gesundheitsförderungsbericht 2012 des BMI.

ist dem BEM das Schwerpunktthema des Gesundheitsförderungsberichts gewidmet. Positive Ansätze sind also zu erkennen. Bezieht man jedoch die Tatsache der Stellenkürzungen in den vergangenen Jahren in die Betrachtung mit ein, liegt der Schluss nahe, dass auch Arbeitsverdichtung als ein wesentlicher Grund für einen zunehmenden Krankenstand nicht von der Hand zu weisen ist. Krankheitsbedingte Abwesenheit wiederum führt zu einer Verschärfung der Situation für die anwesenden Beschäftigten. Die Verfasser des Berichts verschweigen auch nicht den umfangreichen Personalabbau, dem der öffentliche Dienst des Bundes seit Jahren ausgesetzt ist. So heißt es dort: „Einer stetigen Reduktion des Personalumfangs stehen Aufgabenzuwächse […] gegenüber.“ Zu dieser Problematik aber sind Lösungsansätze Fehlanzeige.

DGB: Neueinstellungen erforderlich

Entsprechend der Forderung des DGB gegenüber den politischen Entscheidungsträgern, wurde der Kahlschlag beim Personal im öffentlichen Dienst zumindest gestoppt. Jetzt sind aber – ergänzend zu Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung – sofortige Neueinstellungen erforderlich. Weil das betriebliche Eingliederungsmanagement, Gesundheitskurse oder auch die arbeitsplatzbezogene Gefährdungsbeurteilung immer nur das Individuum oder maximal noch sein direktes Umfeld im Blick haben, bleiben Fehler im Gesamtsystem außen vor. Bei der Konzeption eines umfassenden Gesundheitsmanagements dürfen die Akteure die Augen nicht davor verschließen, dass immer weniger Personal immer mehr Aufgaben stemmen muss.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2014

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